Portrait: Fragen an Ständeratskandidat Timo Stammwitz (Parteilos)

Zu den kommenden Nationalrats- und Ständeratswahlen kandidieren verschiedene Bündner Politiker*innen für ihre Partei, oder auch Parteilos. Graubünden Online hat 7 Persönlichkeiten bzw. Kandidierende aus der Bündner Politik mit verschiedenen Fragen zu verschiedenen Themen befragt. In diesem Portrait: Timo Stammwitz, Ständeratskandidat (parteilos).

Links zum Beitrag:
Timo Stammwitz auf Twitter: @StammwitzTimo
Download: KLIMA AKTIONSPLAN CH (PDF, 12,9MB)


Graubünden Online:
Soweit ich weiss, hast Du zur Zeit viel zu tun, da Du parteilos für den Ständerat kandidierst. Ist die Zeit vor Wahlen (persönlich sowie“parteipolitisch“) eine produktive, erfolgreiche Zeit?

Timo Stammwitz:
Die Kandidatur ist eine spannende und schöne Zeit und gibt mir Gelegenheit, viele Themen und Aspekte anzusprechen, welche so sonst nirgends in der Presse oder Politik erscheinen.


Graubünden Online:
wie sieht es aus mit dem „Sozialstaat Schweiz“? ist er bedroht, in guten Zustand auf gutem Wege, oder in einer Depression?

Timo Stammwitz:
Der Sozialstaat CH ist ein wertvolles Fundament einer stabilen demokratischen Gesellschaft, ihm ist Sorge zu tragen. Die Finanzierung kann und darf in einem der reichsten Länder kein Problem sein. Einfache Trade-Steuer in erforderlichem Ausmass einzuführen. Deswegen wandert noch lange niemand ab.


Graubünden Online:
was machst Du proaktiv für die Jugend in Graubünden?

Timo Stammwitz:
Bin in einer Nicht-Bünder SAC-Sektion und war dort für viele Jahre JO-Tourenleiter. Heute möchte ich mit meiner unabhängigen Kandidatur insbesondere den Jüngeren zeigen, was man alles anpacken und wagen kann. Und das mehr Mut und Courage Spass macht.


Graubünden Online:
wo sind die Grenzen für „den Sozialstaat“, vor allem in Bezug auf Graubünden?

Timo Stammwitz:
Beim Missbrauch dessen. Kontrolle durch Kontakt und Betreuung, nicht durch Überwachung. Mit Überwachung schikaniert man meist nur die weissen Schafe.


Graubünden Online:
Hanfkonsum und Anbau zwecks Eigenbedarf in Graubünden: Legalisieren?

Timo Stammwitz:
Nein, keine Legalisierung. Niemand schliesslich muss konsumieren (Eigenverantwortung). Als Autofahrer kann ich auch nicht schwierige Umstände für zu schnelles Fahren angeben.


Graubünden Online:
Du warst in der GLP? warum jetzt als Parteiloser? passt keine Partei, oder möchtest Du etwas Neues?

Timo Stammwitz:
Bin aus der GLP ausgetreten, weil viel ohne konkretes Handeln palavert wird, und das „liberal“ spätestens beim nächsten Leserbrief aufhört (mit Leitung abzustimmen). Hauptsächlich aber weil die GLP Klima und Umwelt (insbesondere unsere Gewässer) in ihrer Anti-Atomhysterie verraten haben und nicht erkennen und verstehen wollen, dass der Atomausstieg zum landschaftlichen Supergau und noch mehr Klimaerwärmung führt.


Graubünden Online:
Der Ausbau von Maiensässen in GR ist stark reglementiert: ist das okay, zu schwach oder zu stark reglementiert?

Timo Stammwitz:
Zu fest reglementiert – einfacher, dafür restriktiver handzuhaben. Wertvolle Bestände müssen ohne unpassenden Anbauten erhalten bleiben. Der Erhalt ist zu subventionieren, da wertvoller Teil unserer Kulturlandschaft.


Graubünden Online:
Was bringst Du im Speziellen für den Ständerat und da für Graubünden mit?

Timo Stammwitz:
Mut und Courage, effektiv gegen den überbordenden Sicherheitswahn und Reglementierungswahn vorzugehen. Und die Einstellung, dass die Lösung, und niemals das Problem zählt (geht nicht gibt’s nicht).


Graubünden Online:
Private Wünsche fürs 2020?

Timo Stammwitz:
Eine Gesellschaft mit mehr Mut, Courage, Augenhöhe, Toleranz und Ermessensspielraum.

 


 


Graubünden Online:
Soll die Sonderjagd abgeschafft werden? Warum (nicht)?

Timo Stammwitz:
Sonderjagd ist abzuschaffen. Normale Hochjagd verlängern, Überreglementierung reduzieren.


Graubünden Online:
Wo liegen die Stärken, die (wirtschaftliche) Zukunft von Graubünden, abgesehen vom Potenzial im Tourismus?

Timo Stammwitz:
Sonnenenergie, Wasserhygiene (Sauberkeit), Umweltkühlung durch Fliessgewässer (Klimazertifikate) – Wasserkraftnutzung 3.0, Rohstoff Gestein, Holzanwendungen, Umweltforschung


Graubünden Online:
Welche Erfolge freuten Dich persönlich am meisten in der ganzen politischen Karriere?

Timo Stammwitz:
Bisher noch keine politischen Ämter bekleidet


Graubünden Online:
Die Schweiz ist nicht in der „EU“. Grossbritannien fällt nächstens raus. Auch andere europäische Länder sind nicht in der EU; wie stehst Du zur Institution EU?

Timo Stammwitz:
CH muss mutig und selbständig bleiben, Rahmenvertrag ist vertragsjuristischer Unsinn, da zwangsläufig unzählige Widersprüche und Interpretationslücken entstehen, welche der stärkere Partner geschickt ausnützen wird. Wer einen Rahmenvertrag propagiert, hat keine Ahnung von Vertragsmanagement oder ist einfach naiv als Schweizer. Aus Sicht EU natürlich grosser Vorteil. Nichtsdestotrotz ist die EU der wichtigste Garant für Frieden und Stabilität in Europa – deshalb ist eine partnerschaftliche Beziehung auf Augenhöhe notwendig. Dies gewinnt im heutigen Umfeld zwischen populistischen Grossmächten noch weiter an Bedeutung.

Der EU haben wir somit viel zu verdanken, müssen deshalb aber nicht unterwürfig darstellen und auftreten.


Graubünden Online:
Kulturförderung. Wird in Graubünden genug Nachhaltiges für die regionale Kultur getan?

Timo Stammwitz:
Kulturförderung kann und darf gezielt für engagierte Interpreten und Organisationen ausgebaut werden. Herzblut vor Systemrelevanz.


Graubünden Online:
Graubünden: alles a bitzli schpöter, als bi da Andera… Geschehnisse wie Trump, AFD, Antifa, oder Ereignisse wie kürzlich in #Halle (rechtsextremer Terroranschlag) – besteht in Graubünden eine Gefahr durch Rechtsextremismus bei der Jugend oder in bestimmten sozialen Gruppen?

Timo Stammwitz:
Mit Stärkung unserer Freiluftsportarten und Möglichkeiten, und Förderung der Einstellung, das Sport einfach cool ist, leisten wir die beste Prävention.


Graubünden Online:
Soll die Rhätische Bahn (RhB) stärker durch den Bund finanziell unterstützt werden? Wie steht es um den Stellenabbau der Rhb?

Timo Stammwitz:
Die RhB ist betr. Takt und Infrastruktur auszubauen und auch ins Südtirol / Österreichische Inntal zu verbinden. Entsprechend ist eine Finanzierung durch den Bund erforderlich. Die grösseren Bahnhöfe sind wieder fest zu besetzten, der Unterhalt zu verbessern (im ersten Morgenzug sieht’s oft nach Schmuddelbahn aus, die Reinigung wurde weggespart, bei Pannen ist niemand zur Unterstützung der Zugführer da (das RCC Landquart schläft bis zu Bürozeiten, zur Pannenbehebung ist niemand infolge Automatisierung mehr da)). Auf der Strecke Davos-Filisur hat man immer wieder das Gefühl, dass das Management nicht einmal weiss, dass auch hier noch Schienen verlaufen.


Graubünden Online:
Wo liegt verkehrspolitisch der grösste Handlungsbedarf im Kanton Graubünden?

Timo Stammwitz:
Takt RhB verdichten, Postautolinien verdichten: Mentalitätswechsel einleiten: ÖV ist sexy, und nicht mit dem Auto zur Arbeit.


Graubünden Online:
sollen gleichgeschlechtliche Paare Kinder adoptieren dürfen?

Timo Stammwitz:
Nein. Jeder will heute alles haben, ohne minimale gesellschaftliche Konventionen zu akzeptieren. Zusammenleben ist OK, aber warum dann auch noch Kinder, wenn’s die Natur so nicht vorsieht?


Graubünden Online:
wie kann man die unpolitische Jugend fördern?

Timo Stammwitz:
Abstimmungszwang wieder einführen (CHF 200.00 für guten Zweck bei Nichtabgabe). Elternhäuser in die Pflicht nehmen. Aktuelle Politik und Weltgeschehen gehört in die Schule. Geschichte hört nicht bei den alten Eidgenossen auf.


Graubünden Online:
Tourismus: gute, innovative Ideen für den Bündner Tourismus?

Timo Stammwitz:
Graubünden ist der Wassererlebnis- und Wassersportkanton der CH, nur haben das unsere Touristiker noch nicht begriffen (sind wohl wasserscheu). Mountainbiken und Skifahren kann man überall.


Graubünden Online:
Ist in der Zukunft Social Media wirklich wichtig?

Timo Stammwitz:
Nein, der persöhnliche Kontakt steht (hoffentlich) wieder im Zentrum, mit Social Media kann man diesen nicht ersetzen. Social Media hat eine Zukunft, wenn es ein Support für den persöhnlichen Kontakt wird.


Graubünden Online:
Hast Du ein Lieblingsessen?

Timo Stammwitz:
Trinser Raviuls / Jägersalat (Vorspeise); Rindsbraten mit Rosmarinbratkartoffeln (nach Tessiner Machart), Café Gourmand (Dessert, F), Génépi oder Limoncello als Digestiv.


Graubünden Online:
Was hältst Du von #FridayForFuture? Von #ExtinctionRebellion? Was hältst Du von Protest gegen das #WEF in Davos, und werden diese zwei/drei Bewegungen in Zukunft miteinander verknüpft sein?

Timo Stammwitz:
Protestieren ist gut, nur mein Klimakationsplan CH (Download PDF, 12,9MB) zeigt sofort umsetzbare und wirksame Lösungen auf. Das WEF verträgt gut etwas Protest, sonst nur winterliche Selbstdarstellungsschau der Scheinwichtigen und Reichen. Es würde der Schweiz als Demokratie gut anstehen, dass offener friedlicher Protest auch direkt und gut sichtbar gegenüber empfindlichen Herren zugelassen wird. Aber dazu braucht’s wieder einmal Mut.


Graubünden Online:
Welche Lösung favorisierst Du, um aus dem Schweizer Schlammassel der „teuren Krankenkassen für Private“ zu entfliehen?

Timo Stammwitz:
Medizinische Grundkenntnisse in der Bevölkerung stärken. Mehr Eigenverantwortung, weniger prophylaktisch untersuchen. Krankenkassenbürokratie abbauen. Lobbyisten beschränken (jedes Mandätchen wird von uns querbezahlt). Einheits-Grundkasse einführen. Nur Zusatzversicherungen im freien Markt.


Graubünden Online:
Sind Schweizer Grenzen in Graubünden unter Kontrolle der Behörden?

Timo Stammwitz:
Grenzkontrollen und Grenzwachtkorps zu verstärken, eine gute Präsenz ergibt sich mit lokaler dezentraler Stationierung.


Graubünden Online:
Was ist Dein persönlicher Wunsch für Graubünden in der Zukunft?

Timo Stammwitz:
Erste Region, welche mit einer intelligenten Wasserkraftnutzung das Klima kühlt, die Luft reinigt und der Trockenheit im Sommerhalbjahr entgegenwirkt. Region, welche konsequent technische Oberflächen beschattet oder zur Solarstromproduktion nutzt. Und Region, wo Courage und Ermessensspielraum dem Sicherheitswahn vorgehen. Wo gesunder Menschenverstand und Eigenverantwortung zuesrt kommt. Wo Vollhaftung und Vollkasko (Amerikanismus) abgelehnt und zurückgewiesen werden.

Graubünden Online:
Herzlichen Dank für Deine Zeit und alles Gute für die kommenden Wahlen!


Hinweis:
Jede/r sollte das beantworten, was passt; alle Fragen waren optional. Meinen Anfragen für das „Interview“ habe ich alle via Twitter gemacht. Alle 7 Personen haben sehr schnell reagiert. Das Header-Foto in diesem Beitrag wurde von der befragten Person zur Verfügung gestellt/ausgewählt. Eine Übersicht zu den kommenden Nationalrats- und Ständeratswahlen 2019.

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Kategorie(n): News / Aktuell
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Publiziert am 17. Oktober 2019



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