Portrait: Fragen an Nationalratskandidatin Valérie Favre Accola (SVP Graubünden)

Zu den kommenden Nationalrats- und Ständeratswahlen kandidieren verschiedene Bündner Politiker*innen für ihre Partei, oder auch Parteilos. Graubünden Online hat 7 Persönlichkeiten bzw. Kandidierende aus der Bündner Politik mit verschiedenen Fragen zu verschiedenen Themen befragt. In diesem Portrait: Valérie Favre Accola, Nationalratskandidatin SVP Graubünden.

Links zum Beitrag:
Valérie Favre Accola, Homepage: www.valerie-favreaccola.ch
SVP Graubünden: www.svp-gr.ch


Graubünden Online:
Soweit ich weiss, hast Du zur Zeit viel zun tun, da Du für die SVP Graubünden für den Nationalrat kandidierst. Ist die Zeit vor Wahlen (persönlich sowie parteipolitisch) eine produktive, erfolgreiche Zeit?

Valérie Favre Accola:
Es ist eine erfahrungsreiche, intensive Lehrzeit mit vielen persönlichen Begegnungen im ganzen Kanton, die ich sehr schätze. Mit einer Kandidatur wird man erst recht zur öffentlichen Person und entsprechend bewegt man auch sich auch ausserhalb der Komfortzone, ganz gemäss dem Motto, wer nicht wagt, gewinnt nichts.


Graubünden Online:
wo sind die Grenzen für „den Sozialstaat“, vor allem in Bezug auf Graubünden?

Valérie Favre Accola:
Man muss sich bewusst sein, dass wir in Graubünden mit 1.4% eine tiefe Sozialquote haben im Vergleich zur Schweiz (3.3%) . Dennoch variiert diese regional stark, so dass auch wir mittlerweilen Regionen haben, welche mit 4.5% (z.B. Thusis) deutlich über dem schweizerischen Durschnitt liegen. Eine hohe Sozialquote kann gerade Kleingemeinden, welche ohnehin nicht viel Steuersubrat haben, an ihre finanziellen Grenzen bringen.


Graubünden Online:
Das „V“; wieviel „Volk“ ist die SVP Graubünden?

Valérie Favre Accola:
Nun die SVP vertritt mit dem höchsten Wähleranteil einen grossen Teil des Volkes😉, entsprechend ist sie noch legimitiert das V weiterhin im Parteikürzel zu führen.


Graubünden Online:
Der Ausbau von Maiensässen in GR ist stark reglementiert: ist das okay, zu schwach oder zu stark reglementiert?

Valérie Favre Accola:
Wenn Kulturgüter verfallen und entsprechend das von Maiensässen historisch geprägte Landschaftsbild verloren geht, dann ist dies höchst bedauerlich. Die Reglementierung sollte nur so weit gelockert werden, dass diese Maiensässe weiterhin erhalten bleiben, jedoch ohne das Landschaftsbild mit zusätzlichen Bauten wie unverhältmässigen Strassen etc zu verunstalten.


Graubünden Online:
Was bringt die SVP Graubünden im Speziellen für den Nationalrat mit, ausser dass sie vertreten werden soll?

Valérie Favre Accola:
In Bern gewinnt man nur, wenn es gelingt Mehrheiten zu schaffen. Entsprechend ist es gerade aus Bündner Sicht (aktuell nur 5 Nationalräte) enorm wichtig, dass Graubünden in der grössten Bundeshausfraktion vertreten ist, sich diese Vertreter für die Anliegen Graubündens stark machen und diesen zum Durchbruch verhelfen.


Graubünden Online:
Private Wünsche fürs 2020?

Valérie Favre Accola:
Gesundheit, Zufriedenheit und Glück für die ganze Familie


Graubünden Online:
Wo liegen die Stärken, die (wirtschaftliche) Zukunft von Graubünden, abgesehen vom Potenzial im Tourismus?

Valérie Favre Accola:
Graubünden weist keine Bodenschätze aus und verfügt über wenig Landreserven. Graubünden sollte auf Branchen mit hoher Wertschöpfung setzen, das heisst, Forschung und Entwicklung. Unser USP ist unsere Lebensqualität dank landschaftlicher, sprachlicher und kultureller Vielfalt, dies sollten wir als Standortfaktor einsetzen.


Graubünden Online:
Welche Erfolge freuten Dich persönlich am meisten in der ganzen politischen Karriere?

Valérie Favre Accola:
Als Gemeindepolitikern freut es mich, endlich das Projekt Erweiterung und Sanierung Schulhaus Bünda mit einer sehr erfolgreichen Abstimmung gekrönt zu haben, endlich den Bau einer zweiten Dreifachturnhalle für unsere Jugend umsetzen zu können, Projekte wie die erste Bläserklassen in Graubünden oder Schulen treffen auf Politik umsetzen zu dürfen. Als Grossrätin freue ich mich über jede politische Bewegung in Sache Opferschutz.


Graubünden Online:
Die Schweiz ist nicht in der „EU“. Grossbritannien fällt nächstens raus. Auch andere europäische Länder sind nicht in der EU; wie steht die SVP Graubünden, und wie steht Valérie Favre Accola, zur Institution EU?

Valérie Favre Accola:
Die Schweiz soll mit allen Ländern freundschaftlich und wirtschaftlich verbunden sein, nicht nur mit der EU. Wir sind in der Vergangenheit gut damit gefahren, dass wir als kleine Schweiz unseren eigenen, individuellen Weg gewählt haben, der uns bis heute und auch während Kriegszeiten Freiheit und Unabhängigkeit gesichert hat. Als Teenager habe ich unserem Staatsmodell nicht die gleiche Wertschätzung entgegen gebracht, aber meine langen Auslandaufenthalte u.a. in Australien, Venezuela haben mich des Besseren gelehrt. Wir können uns kaum vorstellen, wie wertvoll die direkte Demokratie, unsere Neutralität und unser Föderalismus sind. Lasst uns dem Sorge tragen!


Graubünden Online:
Kulturförderung. Wird in Graubünden genug Nachhaltiges für die regionale Kultur getan?

Valérie Favre Accola:
Was heisst nachhaltig und wo fängt Kultur an? Kulturgüter wie Sprachminderheiten, historische und kulturelle Güter werden staatlich gut unterstützt. Die regionalen Kulturschaffenden brauchen insbesondere gute Rahmenbedingungen für ihr Schaffen, Plattformen, Wertschätzung, Respekt und deren Projekte verdienen auch finanzielle Unterstützung. Das kann jedoch nicht der Staat alleine stemmen, sondern wir als Gesellschaft und Kulturkonsumenten, die Tourismusorganisationen und die Kulturförderung snd in der Verantwortung.

Als wenig nachhaltig erachte ich es, wenn für öffentliche Gäste-Veranstaltungen in erster Linie externe Kulturschaffende zum Teil aus Gambia engagiert werden und einheimische Kulturschaffende einfach übergangen werden.


Graubünden Online:
Graubünden: alles a bitzli schpöter, als bi da Andera… Geschehnisse wie Trump, AFD, Antifa, oder Ereignisse wie kürzlich in #Halle (rechtsextremer Terroranschlag) – besteht in Graubünden eine Gefahr durch Rechtsextremismus bei der Jugend oder in bestimmten sozialen Gruppen?

Valérie Favre Accola:
Extremismus, egal ob politischer, religiöser oder sozialer macht vor keiner Gesellschaft Halt, insbesondere nicht, wenn die soziale Kontrolle fehlt. Unser Glück in Graubünden ist unsere Kleinräumigkeit: in vielen Orten kennt man sich persönlich, kann auch nicht aus der Anonymität handeln, da funktioniert das engmaschige Netz der sozialen Kontrolle. Je grösser die Städte werden, je mehr Zuzüger, desto schwieriger wird es.

Die Gesellschaft hat die Verantwortung hinzuschauen, anstatt wegzusehen. Und stellt man Unregelmässigkeiten fest, dann sind diese anzusprechen.


Graubünden Online:
Soll die Rhätische Bahn (RhB) stärker durch den Bund finanziell unterstützt werden? Wie steht es um den Stellenabbau der Rhb?

Valérie Favre Accola:
Die RHB sollte einfach gleich lange Spiesse wie die SBB bekommen, gerade im Hinblick auf die aktuelle Klimadiskussion.

 


 


Graubünden Online:
Wo liegt verkehrspolitisch der grösste Handlungsbedarf im Kanton Graubünden?

Valérie Favre Accola:
Handlungsbedarf gibt es an vielen Orten, das Problem ist jedoch der Verteilkampf der Gelder, der zumeist von den Agglomerationen, von den bevölkerungsstarken Regionen gewonnen wird.

Grundsätzlich sind die Anbindungen an Nachbarregionen und ins Ausland zu verbessern, auch wenn wir bezüglich bessere Verbindungen nach Zürich einen kleinen Schritt weiter sind. In diesem Bereich ist es wichtig, gestützt auf neu erarbeitete Grundlagen klare Prioritäten zu setzen und sich auf wenige Schlüsselprojekte zu konzentrieren. Gegenwärtig werden Verbindungen ins Südtirol, nach Landeck, von der Mesolcina Richtung Chiavenna und von Sedrun in den Kanton Uri diskutiert und teilweise bearbeitet.

Die SVP verlangt, dass rasch die möglichen volkswirtschaftlichen Impulse dieser Verbindungen analysiert werden und man sich nachher auf das aussichtsreichste Projekt konzentriert. Mit der heutigen Zersplitterung der Kräfte gibt es keine Umsetzungschancen. Aufstockung der Mittel RHB.

Eine gute strassenmässige Erschliessung unseres Kantons ist von zentraler Bedeutung zur Sicherstellung einer flächendeckenden Besiedlung. Graubünden wird in diesem Bereich gegenüber andern Kantonen klar benachteiligt. Dies einerseits wegen den geltenden Finanzierungssystemen, anderseits wegen der auf die Agglomerationen und die NEAT ausgerichteten Verkehrspolitik des Bundes.

Der Kanton muss aus dieser Sicht:

1. Durch ein verstärkteres Lobbying auf Bundesebene die Bundesbehörden und die Bundesverwaltung für die besondere Situation unseres Kantons sensibilisieren. Voraussetzung ist, dass ein umfassendes Programm zur Substanzerhaltung und zum Ausbau unserer Strassen erarbeitet wird.

2. Sich einsetzen für ein höhere Dotierung der Hauptstrassenkredite des Bundes

3. Sich einsetzen für eine Aufklassierung von Strassenzügen, wobei dies zu einer Entlastung des Kantons führen muss. Aufklassierungen, wie sie gegenwärtig beantragt werden und die eine Mehrbelastung mit sich bringen, sind energisch zu bekämpfen.


Graubünden Online:
wie kann man die unpolitische Jugend fördern?

Valérie Favre Accola:
Wir versuchen gerade aktuell die politische Partizipation der Jungen und Frauen zu verbessern und gemäss unseren aktuellen Erkenntnissen, müssen wir bei den Jungen in die politische Bildung «investieren» (Grundlagenkenntnisse), jugendnahe Themen in der Praxis erlebbar machen wie persönliche Begegnungen mit Politikern ermöglichen. In Davos heisst dies konkret: alle Oberstufenschüler (3.) erwerben die Grundkenntnisse des Staatskundenunterrichts, bereiten sich konkret mit den Parlamentsunterlagen auf eine Sitzung vor und nehmen auch an einer Parlamentssitzung teil.

Dann gibt es noch einen Austausch mit der Davoser Regierung und Verwaltung zu einem Thema ihrer Wahl (z.B. Plastikrecycling). Damit machen wir politische Prozesse erlebbar und wir hoffen, dass wir die «Lust» am politisieren gewinnen können und wir eine grosse Davoser Delegation an die nächste Jugendsession entsenden können. Es hat sich jedoch auch gezeigt, dass E-Voting keinen positiven Einfluss auf die politische Partizipation der Jungen hat, diese jedoch bei den älteren MitbürgerInnen steigert.


Graubünden Online:
Ist in der Zukunft Social Media wirklich wichtig?

Valérie Favre Accola:
Diskussionen und der Austausch in den sozialen Medien haben den klassischen (politischen) Stammtisch und den Treffpunkt am Dorfbrunnen ersetzt. Ich persönlich glaube, dass gerade mit dem Fortschreiten der Digitalisierung persönliche Beziehungen, der persönliche Austausch und Kreativität wieder an Bedeutung gewinnen werden. Das heisst, der Einsatz von Social Media wird zukünftig zwar alltäglich, der persönliche Austausch hingegen wertvoller und exklusiver. Wir können sehr viel mit Algorithmen ersetzen, aber nicht persönliche Beziehungen und unsere Kreativität.


Graubünden Online:
Hast Du ein Lieblingsessen?

Valérie Favre Accola:
Nicht wirklich und es muss auch nichts Exklusives sein – aber ein guter Alpkäse, ein feiner Salzsiz mit einem guten Tropfen Wein oder Gerichte aus meiner Kindheit wie Härdöpfeltätschli begeistern mich immer wieder aufs Neue.


Graubünden Online:
Was ist Dein persönlicher Wunsch für Graubünden in der Zukunft?

Valérie Favre Accola:
Wir leben auch dank der landschaftlichen, kulturellen und sprachlichen Vielfalt am schönsten Ort dieser Welt. Graubünden soll auch in Zukunft auch dank Ausbildungs- und Arbeitsplätzen sowohl für Einheimische wie Gäste attraktiv bleiben.


Graubünden Online:
Herzlichen Dank für Deine Zeit und alles Gute für die kommenden Wahlen!


Hinweis:
Jede/r sollte das beantworten, was passt; alle Fragen waren optional. Meinen Anfragen für das „Interview“ habe ich alle via Twitter gemacht. Alle 7 Personen haben sehr schnell reagiert. Das Header-Foto in diesem Beitrag wurde von der befragten Person zur Verfügung gestellt/ausgewählt. Eine Übersicht zu den kommenden Nationalrats- und Ständeratswahlen 2019.

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Kategorie(n): News / Aktuell
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Publiziert am 12. Oktober 2019



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