Portrait: Fragen an National- und Ständeratskandidat Jon Pult (SP Graubünden)

Zu den kommenden Nationalrats- und Ständeratswahlen kandidieren verschiedene Bündner Politiker*innen für ihre Partei, oder auch Parteilos. Graubünden Online hat 7 Persönlichkeiten bzw. Kandidierende aus der Bündner Politik mit verschiedenen Fragen zu verschiedenen Themen befragt. In diesem Portrait: Jon Pult, National- und Ständeratskandidat (SP Graubünden).

Links zum Beitrag:
Jon Pult, Homepage: www.jonpult.ch
SP Graubünden: www.sp-gr.ch


Graubünden Online:
Soweit ich weiss, hast Du zur Zeit viel zun tun, da Du für die SP Graubünden gleichzeitig für den Nationalrat und den Ständerat kandidierst. Ist die Zeit vor Wahlen (persönlich sowie parteipolitisch) eine produktive, erfolgreiche Zeit?

Jon Pult:
Der Wahlkampf ist eine extrem intensive Zeit. Es ist anstrengend, praktisch jeden Abend und jeden Samstag im ganzen Kanton unterwegs zu sein. Aber es ist auch inspirierend und äusserst spannen! Ich diesem Wahlkampf habe ich wieder einmal erlebt, wie unglaublich vielfältig Graubünden ist. Ich war unter anderm in Sevgein, Tschlin, im Avers oder in Poschiavo. Das sind jeweils unterschiedliche Welten – sprachlich, kulturell, von der Mentalität. Und doch fühlen sich alle Menschen als Bündnerinnen und Bündner. Mein Glück ist, dass ich alle Bündner Sprachen verstehe und mich mit den Leuten gut unterhalten kann.


Graubünden Online:
wie sieht es aus mit dem „Sozialstaat Schweiz“? ist er bedroht, in guten Zustand auf gutem Wege, oder in einer Depression?

Jon Pult:
Der Sozialstaat Schweiz ist grundsätzlich solid gebaut und funktioniert insgesamt auch gut. Noch bessere Lösungen brauchen wir gegen die Kinderarmut, gegen die Altersarmut und bei einer besseren Arbeitsmarktintegration von Menschen, die wieder einsteigen wollen. Zudem kann es nicht sein, dass die Rentenentwicklung so negativ ist. Und: Wir brauchen endlich eine Familienpolitik, die diesen Namen verdient!


Graubünden Online:
Hanfkonsum und Anbau zwecks Eigenbedarf in Graubünden: Legalisieren?

Jon Pult:
Ja, ich bin für die Legalisierung. Weil der Schwarzmarkt nur die Kriminalität fördert. Zudem können Alkohol und Nikotin ebenso schädliche Suchtmittel sein wie Cannabis, bei denen niemand auf die Idee kommt, dass ein generelles Verbot eine sinnvolle Lösung ist. Warum also beim Cannbis auf ein Totalverbot setzen? Wir brauchen in diesem Bereich mehr Pragmatismus.


Graubünden Online:
Das „S“; wieviel „sozial“ ist die SP Graubünden?

Jon Pult:
Die SP ist und bleibt die soziale Partei der Schweiz. Der Kampf für soziale Gerechtigkeit ist unsere erste Priorität. Übrigens geht es bei einer ambitionierten Klima- und Umweltpolitik für uns auch um soziale Gerechtigkeit. Der Gerechtigkeit gegenüber den nachkommenden Generationen. Denn in einer kaputten Natur lässt sich keine soziale Gesellschaft machen.


Graubünden Online:
Wo liegen die Stärken, die (wirtschaftliche) Zukunft von Graubünden, abgesehen vom Potenzial im Tourismus?

Jon Pult:
Wasserkraft und Sonnenenergie im Berggebiet, High-Tech-Industrie im Rheintal und im vorderen Prättigau. Hochwertige Lebensmittelproduktion und Verarbeitung in ganz Graubünden. Und mehr Telearbeit von unseren wunderschönen Tälern aus. Wichtig: Wir müssen dafür sorgen, dass fortschrittliche Menschen hier leben wollen, dann werden auch die Arbeitsplätze geschaffen. Dafür brauchen wir mehr gesellschaftliche Offenheit und weniger Filz.


Graubünden Online:
Welche Erfolge freuten Dich persönlich am meisten in der ganzen politischen Karriere?

Jon Pult:
Vier sehr unterschiedliche Dinge, bei denen ich nie alleine erfolgreich war sondern immer im Team:

1. Die Anzahl Lastwagen, die über unsere Alpenpässe fahren, sinkt stetig. Das ist ein Erfolg der Alpen-Initiative, von der ich Präsident sein darf.

2. Als Churer Gemeinderat konnte ich mit verhindern, dass die städtischen Zusatzleistungen zu den Ergänzungsleistungen für die ärmsten Rentnerinnen und Rentner nicht abgeschafft wurden.

3. Wir haben die Misswirtschaft und den Gigantismus der Olympischen Spiele in Graubünden verhindert.

4. Wir haben im Grossen Rat ein recht fortschrittliches Schulgesetz durchgebracht.


Graubünden Online:
Die Schweiz ist nicht in der „EU“. Grossbritannien fällt nächstens raus. Auch andere europäische Länder sind nicht in der EU; wie steht die SP Graubünden, und wie steht Jon Pult, zur Institution EU?

Jon Pult:
Die EU ist eine grosse Errungenschaft. Sie sichert seit 70 Jahren den Frieden in Europa. Sie hat dafür gesorgt, dass wir uns frei in Europa bewegen können. Sie ist die demokratische Alternative zum autoritären China und zu den nach rechts abdriftenden USA in einer globalen Welt.

Trotzdem wird die EU sehr oft sehr schlecht gemacht. Aus Unkenntnis aber auch, weil die EU selber natürlich auch grosse Fehler macht. Ich wehre mich aber dagegen, die EU so negativ darzustellen. Denn in einer globalen Welt brauchen wir ein vereinigtes Europa, um die Herausforderungen der Zukunft zu meistern. Ob wir als Schweiz nun Mitglied sind oder nicht.


Graubünden Online:
Graubünden: alles a bitzli schpöter, als bi da Andera… Geschehnisse wie Trump, AFD, Antifa, oder Ereignisse wie kürzlich in #Halle (rechtsextremer Terroranschlag) – besteht in Graubünden eine Gefahr durch Rechtsextremismus bei der Jugend oder in bestimmten sozialen Gruppen?

Jon Pult:
Ich hoffe es nicht. Und ich glaube es auch nicht. Graubünden ist seit jeher ein multikultureller Kanton mit grundsätzlich liberaler Ausrichtung. Aber natürlich müssen wir genau hinsehen. Denn im digitalen Zeitalter können sich jungen Leute auch im Internet radikalisieren. Umso wichtiger ist eine gesunde demokratische Auseinandersetzung!


Graubünden Online:
Wo liegt verkehrspolitisch der grösste Handlungsbedarf im Kanton Graubünden?

Jon Pult:
Der Halbstundentakt der RhB. Und die Reduktion der Lastwagen, die über den San Bernardino fahren.

 


 


Graubünden Online:
sollen gleichgeschlechtliche Paare Kinder adoptieren dürfen?

Jon Pult:
Ja. Entscheidend ist die Liebe für ein Kind und nicht das Geschlecht der Eltern.


Graubünden Online:
Was hältst Du von #FridayForFuture? Von #ExtinctionRebellion? Was hältst Du von Protest gegen das #WEF in Davos und werden diese zwei/drei Bewegungen in Zukunft miteinander verküpft sein?

Jon Pult:
Gerade für eine halbwegs wirksame Klimapolitik war und ist der Druck der Strasse sehr wichtig. Ohne die Klimaproteste würde wenig gehen. Daher freue ich mich über jede Art des friedlichen Protests. Ob sich die Bewegungen untereinander vernetzen, weiss ich nicht. Es ist auch klüger, wenn solche Bewegungen keine Ratschläge von Politikern erhalten. Ihre Kraft entsteht aus der Unabhängigkeit von der institutionellen Politik.


Graubünden Online:
Welche Lösung favorisierst Du, oder Deine Bündner Partei, um aus dem Schweizer Schlammassel der „teuren Krankenkassen für Private“ zu entfliehen?

Jon Pult:
Wir brauchen eine fairere Finanzierung der steigenden Gesundheitskosten. Es kann nicht sein, dass die Kosten für Prämien im Durchschnitt mittlerweile 14% des Haushaltseinkommen wegfressen. Darum kämpft die SP für eine Initiative, welche dafür sorgt, dass keine Person oder Familie mehr als 10% des eigenen Einkommens für die Prämien bezahlen muss. Kosten, die darüber hinaus anfallen, muss der Staat bezahlen.


Graubünden Online:
Was ist Dein persönlicher Wunsch für Graubünden in der Zukunft?

Jon Pult:
Unser wunderschöner Kanton muss sich vom Filz und vom Klüngel eines Teils der heutigen wirtschaftlichen und politischen Eliten befreien. Die ewig gleichen Seilschaften führen uns nicht in die Zukunft. Sondern junge Leute, die bereit sind für Graubünden anzupacken. Sie dies in der Kultur, in der Wirtschaft, in der Politik oder im Sozialen.

Graubünden Online:
Herzlichen Dank für Deine Zeit und alles Gute für die kommenden Wahlen!


Hinweis:
Jede/r sollte das beantworten, was passt; alle Fragen waren optional. Meinen Anfragen für das „Interview“ habe ich alle via Twitter gemacht. Alle 7 Personen haben sehr schnell reagiert. Das Header-Foto in diesem Beitrag wurde von der befragten Person zur Verfügung gestellt/ausgewählt. Eine Übersicht zu den kommenden Nationalrats- und Ständeratswahlen 2019.

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Kategorie(n): News / Aktuell
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Publiziert am 11. Oktober 2019



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