Kantonale Volksinitiativen „Gute Schule Graubünden“ sind gültig

Die Doppel-Volksinitiative „Gute Schule Graubünden“ ist zustande gekommen: am 15. März 2017 sind bei der Standeskanzlei zwei kantonale Volksinitiativen zum Thema Schule bzw. „Lehrplan 21″ eingereicht worden. Insgesamt waren 7000 Unterschriften nötig, eingereicht wurden 8155 gültige Stimmen. Heute hat die Standeskanzlei in Chur die Volksinitiativen „Gute Schule Graubünden – Mitsprache bei wichtigen Bildungsfragen“ sowie „Gute Schule Graubünden – Mitsprache bei Lehrplänen“ für gültig erklärt.
Für eine Änderung der Kantonsverfassung sind 4000 Unterschriften nötig (Initiative 1), für die Änderung eines Gesetzes 3000 Unterschriften (Initiative 2).

Die Initiativen werden zur weiteren Bearbeitung im Rahmen der grundsätzlichen Beschlüsse der Regierung und unter Beachtung der gesetzlichen Fristen dem Erziehungs-, Kultur- und Umweltschutzdepartement überwiesen… (Quelle)

Um was geht es?

Um „den Lehrplan“. Gemeint ist damit der „Lehrplan 21“: die Deutschschweizer Erziehungsdirektoren-Konferenz (D-EDK) erarbeitete während 4 Jahren einen „Lehrplan“, bei dem es den Kantonen freigestellt ist, diesen zu übernehmen. Auf der Website des Lehrplans#21 wird derselbe wie folgt definiert:

…Mit diesem ersten gemeinsamen Lehrplan für die Volksschule setzten die 21 deutsch- und mehrsprachigen Kantone den Artikel 62 der Bundesverfassung um, die Ziele der Schule zu harmonisieren. Im Herbst 2014 wurde die Vorlage des Lehrplans 21 von den Deutschschweizer Erziehungsdirektorinnen und -direktoren freigegeben. Nun entscheidet jeder Kanton gemäss den eigenen Rechtsgrundlagen über die Einführung im Kanton. Vom Lehrplan 21 gibt es eine Vorlage sowie die kantonalen Versionen… (Quelle)

Nun ist dieser Lehrplan Gegenstand hitziger Diskussionen, am Ende geht es ja um unsere Kinder, um unsere Zukunft. Die beiden heute zustande gekommenen Initiativen versuchen nun, diesen Lehrplan zu verhindern. Im Kanton Graubünden wurde der Lehrplan von der Regierung am 15. März 2016 genehmigt:

…Der Kanton Graubünden übernimmt den Kompetenzaufbau des Lehrplans 21 in den einzelnen Fachbereichslehrplänen unverändert. Einzelne Kompetenzen wurden mit kantonsspezifischen Beispielen ergänzt. Die einleitenden Kapitel berücksichtigen die kantonalen Rahmenbedingungen insbesondere im Bereich der Sprachen….

…Der Lehrplan 21 Graubünden tritt ab Schuljahr 2018/19 für den Kindergarten, die Primarschule sowie die 1. und 2. Klassen der Sekundarstufe I in Kraft. Im Schuljahr 2019/20 folgt die Umsetzung in der 3. Klasse der Sekundarstufe I auf der Basis der entsprechenden Weisungen. Ab Inkraftsetzung des Lehrplanes 21 Graubünden gelten auf der Basis des erwähnten Regierungsbeschlusses die neuen Lektionentafeln Volksschule Graubünden.. (Quelle)

Quader Schulhaus, Chur

Quader Schulhaus, Chur

Die Befürworter der Initativen

Für die Initiativen ist das „Komitee Gute Schule Graubünden“ aus Fanas zuständig. Dahinter steht Marlis Klesse, Werklehrerin, Kindergärtnerin, Mutter. Sie war aktiv im Bündner Nein-Komitee gegen Harmos. Für die Volksinitiativen wurde eine Website eingerichtet. Dort erfährt man auch Argumente, Texte und Zitate von Persönlichkeiten zum Thema „Lehrplan 21“.

So kommentiert beispielsweise Remo Ankli, immerhin Solothurner Bildungsdirektor, im Grenchner Tagblatt «Die Kompetenzen im Bereich Sprache musste ich dreimal lesen, bevor ich sie verstanden habe.» (Quelle). Auch die „IG Starke Volksschule Bern“ sammelt auf der Website einige (nicht nur) kritische Zitate/Argumente von Bildungsfachleuten zum Thema Lehrplan 21:

«Eine Allianz aus Politik, Verwaltung und Wissenschaft hat sich von der Praxis entfernt. Es geht um Steuerung, Kontrolle und Auftragssicherheit.»
Emer. Professor Rudolf Künzli, Referat an der PH Zürich 18.11.11.

«Die, ich muss es so nennen, Riesen-EDK-Ejakulation von Tausenden von Kompetenzen auf Hunderten von Seiten ist nicht nur lächerlich, sondern für die Zukunft unseres Bildungssystems tötend. Dazu noch teuer!»
Alois Grichting ist Ingenieur, Volkswirtschafter, Lehrer i.R. und Publizist, Kolumne im Walliser Boten 11.12.13

«Stattdessen will der Lehrplan akribisch genau festlegen, was alle Kinder können sollen. Es ist der Kontrollwahn, der hier durchdringt. Der LP21 entmündigt die Lehrpersonen.»
Anna-Verena Fries, Lehrplanforscherin, WOZ 7.1.14

«Wir wurden unter Druck gesetzt. Alles, was in den Gruppen diskutiert wurde, musste geheim bleiben. Fast ein Jahr lang haben wir über den Kompetenzbegriff diskutiert. Es herrschten grosse Unstimmigkeiten, was man darunter verstehen sollte.»
Mitarbeiterin in einer der Fachgruppen, die anonym bleiben will 5. 1.14


«Ich unterstütze euch bei allem, was ihr gegen diesen Lehrplan macht. Es ist wirklich unglaublich, was hier abläuft. Hier beim IWB kann man aber nichts Kritisches sagen. Es wird alles abgeblockt.»
Mitarbeiter beim IWB (Bern), der anonym bleiben will, Dezember 13. (Quelle)

«Es braucht nicht viel Fantasie, um zu realisieren, dass damit die Lehr- und Methodenfreiheit sowie die Lehrmittelfreiheit – zentrale Güter des demokratischen Bildungsverständnisses – zu Grabe getragen werden.»
Dr. phil. Beat Kissling, Kantonsschullehrer und Erziehungswissenschaftler (SZ), Zürich, 08.11.2013


Das „Komitee Gute Volksschule“ publizierte auf Youtube ein Video:
„Vortrag von Dr. phil. Beat Kissling – Lehrplan 21 im Fokus“ (30. August 2016, Neukirch-Egnach)


Links zum Beitrag:

  1. Medienmitteilung, Standeskanzlei Chur:
    Volksinitiativen „Gute Schule Graubünden“ sind zustande gekommen
  2. Offizielle Informationsseite, Erziehungs-, Kultur- und Umweltschutzdepartement Graubünden:
    Lehrplan 21 Graubünden (Fassung vom 15.03.2016)
  3. Komitee Gute Schule Graubünden, Fanas:
    Doppelinitiative Gute Schule Graubünden – Mitsprache bei Lehrplänen
  4. Kantonale Volksinitiative, Kanton Bern:
    Für demokratische Mitsprache – Lehrpläne vors Volk!
  5. Nationales Projekt, Fanas/Krugelhof:
    Eltern für eine gute Volksschule
  6. Lehrplanforschung Emer. Prof. Rudolf Künzli:
    Kategorie Lehrplan 21 : Lehrplanforschung
  7. Kindgerechte Schule, kindgerechte-schule.ch
    offenes Schulforum

Foto im Header:
Ausschnitt aus Flyer (guteschule-gr.ch, PDF), Screenshot

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Kategorie(n): News / Aktuell
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Publiziert am 30. März 2017



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