Höhepunkt der Lärchenwickler-Population im Ober- und Unterengadin

In Abständen von etwa 7 bis 9 Jahren erreicht die Lärchenwickler-Population stets einen Höhepunkt; die Massenvermehrung eines kleinen Forstschädlings, die sich immer wieder wiederholt. Die letzten drei Höhepunkte bzw. Zyklen (1989, 1999, 2008) waren nicht so stark ausgefallen, deshalb ist nun erstmals seit 36 Jahren die sichtbare Schwelle wieder überschritten.

 


 
Die dämmerungsaktiven Falter der Familie der Wickler sind an Abenden in den Monaten Juli bis September zu beobachten, während sie tagsüber in den Baumkronen von Fichten-, oder Arven-Lärchenwäldern verharren. Den Lärchenwickler findet man ausser in Nordsibirien hauptsächlich in den Alpen in Höhenlagen von 1600 m bis 2100 m ü.m., das Tierchen wurde aber bereits in Regionen ab 500 Höhenmetern gefunden.

Der Lärchenwickler befällt erst Lärchen, danach geht er auf Zirbelkiefern (Arven) über, wo er besonders schwere Schäden verursacht. Der aktuelle Höhepunkt des Zyklus beschränkt sich in der Schweiz nicht auf Graubünden, ebenso betroffen ist beispielsweise das Wallis.

In Graubünden ist der starke Lärchenwickler-Befall zur Zeit insbesondere im Ober- und Unterengadin sowie in den benachbarten Talschaften durch eine grossflächige, rotbraune Verfärbung der Lärchen zu beobachten. Der Unterengadiner Wald Tamangur gilt in ganz Europa als höchstgelegener, geschlossener Zirbelkieferwald.

Den Zyklus des kleinen Nachtfalters kann man heute auf 1’200 Jahre zurückverfolgen; ein zersägter Baumstamm ist an der Wetterseite bei jedem achten oder neunten Jahrring extrem dünn.

Der Lärchenwickler frisst die frischen Nadeln der Lärche, die jedes Jahr neue Nadeln bildet. Aufgrund langjährigen Beobachtungen weiss man heute, dass weniger als 1% der Lärchen geschädigt werden. Deshalb ist keine Bekämpfung des Schädlings nötig; die Population reduziert sich aufgrund verschiedener Faktoren von selbst wieder.

Experten der Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) gehen davon aus, dass aktuell ein Höhepunkt des Zyklus besteht. In den kommenden Jahren dürfte die Population wieder zusammenbrechen.

Links zum Beitrag:

Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL:
Der Lärchenwickler – Berühmter Nachtfalter mit zyklischen Populationsschwankungen

az Aargauer Zeitung:
Naturphänomen: Warum Schweizer Lärchen dieses Jahr scheintot sind

Anteile der Lärche und Verbreitung Lärchenwickler (Bild: Amt für Wald und Naturgefahren)

Anteile der Lärche und Verbreitung Lärchenwickler (Bild: Amt für Wald und Naturgefahren)

Befallene Lärchen bei Preda (Bild: Amt für Wald und Naturgefahren)

Befallene Lärchen bei Preda (Bild: Amt für Wald und Naturgefahren)

Befallene Lärchen bei Silvaplana (Bild: Amt für Wald und Naturgefahren)

Befallene Lärchen bei Silvaplana (Bild: Amt für Wald und Naturgefahren)

 
Foto in Header: „Befallene Lärchen bei Samedan“, Amt für Wald und Naturgefahren

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