Graubünden: Nachholbedarf bei Geschlechterverteilung und Chancengleichheit in Führungspositionen

Heute wird das zweijährige, länderübergreifende Interreg-Projekt „betrifft:frauen entscheiden“ abgeschlossen; zwei durchgeführte Untersuchungen bezüglich Frauen in Führungs- und Entscheidungsfunktionen zeigen deutlich Handlungsbedarf.

Am länderübergreifenden Fachsymposium nehmen die Vorarlberger Landesrätin Katharina Wiesflecker, der Liechtensteiner Regierungsrat Mauro Pedrazzini und der Bündner Regierungsrat Martin Jäger teil (Quelle)

Gemäss den zwei Erhebungen sind Frauen in den betreffenden Regionen Land Vorarlberg, Kanton Graubünden und Fürstentum Liechtenstein weiter klar untervertreten. Die Untersuchungen, die die Bereiche Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Soziales, Medien, Bildung und Wissenschaft, Sport und Kultur miteinbezogen, zeigen auch, dass nicht nur in Führungspositionen, sondern auch in den Medien Männer mehr Präsenz als Frauen bekommen.

„Frauen in Entscheidungs- und Führungspositionen“

Ein umfassender Ansatz sei erforderlich, um den Frauenanteil in Führungspositionen zu erhöhen, der Einstieg müsse auf individueller, gesellschaftlicher und Unternehmensebene erleichtert werden. Das Dokument „Bericht Kanton Graubünden“ (PDF) konstatiert, dass auf Bundesebene im Ständerat keine einzige Politikerin aus Graubünden vertreten ist; im Nationalrat hingegen sind es zwei Frauen (das entspricht 40 %). Auf kantonaler Ebene (Grosser Rat) sind zumindest 23 Personen (19%) weiblich.

Der Präsidentenkonferenz, dem Leitungs- und Koordinationsorgan des Grossen Rates, gehören sieben Männer und keine einzige Frau an. (Quelle, PDF)

SP Graubünden vorbildlich
Obwohl auch in der Sozialdemokratischen Partei (SP) deutlich mehr Mitglieder Männer als Frauen sind, besteht im Bereich der politischen Parteien Graubündens bei der SP der höchste Frauenanteil mit 31%. Demgegenüber ist die SVP Graubünden jene Partei mit dem tiefsten Frauenanteil: von 9 Mitgliedern ist einzig eine Frau vertreten, was einem Frauenanteil von 11% entspricht.

Ein wenig anders sind hingegen Parteipräsidien und -Geschäftsleitungen strukturiert:

 

Bericht Graubünden (Quelle)

Bericht Graubünden (Quelle, PDF)

 
Hier ist die Bündner SVP nicht mehr Schlusslicht, sondern die CVP Graubünden. Die VERDA Grünes Graubünden ist die einzige Partei mit einer Frau als Präsidentin.

In gleichem Ton liest sich die Untersuchung weiter durch, im Speziellen z.B.:

  • In den Gemeinden sind Frauen mit 9% als Gemeindepräsidentinnen vertreten: 11 von 121
  • In Davos und Maienfeld sind in den Gemeinderäten keine Frauen vertreten.
  • Fünf der einwohnerstärksten Gemeinden in Graubünden haben ausschliesslich Männer in den Räten.
  • Auf der kantonalen Ebene wird von fünf Departementen eines von einer Frau geleitet.
  • In drei Departementen werden alle Ämter ausschliesslich von Männern geleitet.
  • Die elf Bezirksgerichte werden alle von Männern geleitet.
  • Die Organisationen der Wirtschaft sind fest in männlicher Hand, einzig bei der Gewerkschaft SYNA ist eine Frau als Stellvertreterin tätig

Zusammenfassend stellt die Untersuchung fest:

36 Unternehmen sind hier jeweils mit der Geschäftsleitung oder dem Verwaltungsrat angeführt.
Eines der grössten Unternehmen des Landes, die EMS Chemie, steht unter der Leitung einer Frau. Alle anderen haben Männer in der Führungsposition. Auch die Mitglieder der Geschäftsleitung, die Vorstände und die Verwaltungsräte sind – soweit sie erfasst werden konnten – männlich. (Quelle, PDF)

„Darstellung von Frauen in Führungspositionen in den Medien“

Im Dokument „Medienanalyse Kanton Graubünden“ (PDF) wurde analysiert, wie sich das Gleichgewicht der Darstellung von Frauen und Männern aus Führungspositionen der Bereiche Politik, Wirtschaft, Soziales, Bildung/Wissenschaft, Landwirtschaft, Sport und Kultur in den (Print-)Medien verhielt. Die mediale Präsenz konnte auch hier klar auf der männlichen Seite festgestellt werden.

Bei der Geschlechtervielfalt innerhalb der Führungspositionen der Bündner Medien selbst, sind Frauen vergleichsweise gut vertreten:

Die Führungslandschaft der Medien in Graubünden

Die Führungslandschaft der Medien in Graubünden (Quelle, PDF)

Auch in der Untersuchung der Artikelinhalte der Bündner Medien konnte, subjektiv beurteilt, ein etwas ausgewogeneres Geschlechtergleichgewicht festgestellt werden, als es z.B. in Politik und Regierung der Fall ist. Eine Analyse von Artikeln des Bündner Tagblatts über die Anzahl der Nennungen von Frauen und/oder Männer in leitenden Positionen ergab folgende Verteilung:

Von insgesamt 128 Beiträgen, in denen Frauen und Männer in leitenden Positionen genannt wurden, entfallen 63 (das entspricht 49 %) auf Frauen (Quelle, PDF)

Diese Zahlen müssen aber mit Vorsicht genommen werden, die Analyse erwähnt hierzu nämlich, dass der geringe Unterschied an Frauen- und Männeranteil auch darin begründet sei, dass der Muttertag in den zweiten Untersuchungszeitraum fiel.

Tagesaktuelle Ereignisse führten dazu, dass in einer bestimmten Ausgabe Berichte über Frauen oder über Männer in Führungspositionen überwiegen. Beispielhaft sei hier die Ernennung des neuen Tourismusdirektors angeführt oder Artikel über Frauen in Führungspositionen anlässlich des Muttertages (Quelle, PDF)

Weiter stellt die Analyse fest, dass Frauen die Berichterstattung über Führungskräfte in NGO’s dominieren (Kultur, Soziales, Stiftungen) sowie über künstlerische Berufe. Männer hingegen dominieren im Bündner Tagblatt die Sparten Verwaltung (Beamte und Juristen) und Sport.

#Funfact
Bei der Frage, ob zu den Nennungen auch Fotografien der Personen abgebildet sind, sieht es wie folgt aus:

Von allen Frauen (77) werden 40 % abgebildet und 60 % nicht abgebildet. Bei den 89 Männern ist das Verhältnis fast umgekehrt: abgebildet sind 58%, nicht abgebildet 42%. (Quelle, PDF)

Die populärste Frau in Führungsposition in Graubünden dürfte wohl Barbara Janom sein, ebenfalls subjektiv beurteilt ;o)
Barbara Janom ist für die Bündner BDP Regierungsrätin des Kantons Graubünden, 2012 und 2017 Regierungspräsidentin und Vorsteherin des Departements für Finanzen und Gemeinden (DFG). Seit 01. Mai 2015 ist Barbara Janom zudem Mitglied des Bankrats der Schweizerischen Nationalbank (SNB) sowie seit mehr als einem Jahr Mitglied des Vorstands der Konferenz der kantonalen Finanzdirektorinnen und Finanzdirektoren:

 
Wer sich zum Thema noch mehr informieren möchte, hier abschliessend empfehlenswerte Inhalte aus dem Netz:

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Kategorie(n): News / Aktuell
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Publiziert am 21. November 2017



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