Puschlav 2015 (Symbolbild, aus Sammlung von B. Steinemann)

Findet der Doppelmord in 2010 im Puschlav einen Abschluss?

Im Fall des Doppelmordes in Brusio (2010) gibt es heute in Italien eine Gerichtsverhandlung, die einen Schlussstrich unter das Verbrechen ziehen könnte. In Rom findet heute die letzte Etappe der Gerichtsverhandlung des Falls statt.

Am 22. November 2010 wurde ein älteres Ehepaar von dessen Sohn in Zalende (Fraktion von Brusio, Puschlav) tot aufgefunden: erste Erkenntnisse der Kantonspolizei Graubünden deuteten auf ein Tötungsdelikt hin, die Staatsanwaltschaft Graubünden leitete eine Untersuchung ein:

..Bei den beiden getöteten Personen handelt es sich um einen 58-jährigen Mann und seine 57-jährige Ehefrau. Die Todesursache und die genauen Umstände sind noch unbekannt und werden momentan von einem Rechtsmediziner sowie von Spezialisten der Kantonspolizei und der Staatsanwaltschaft Graubünden abgeklärt. Auch zu den Hintergründen der Tat und zu möglichen Tatverdächtigen kann momentan noch nichts gesagt werden… (Quelle, 22.11.2010)

Die Ermittlungen zeigten schnell, dass es sich um ein Tötungsdelikt handelte:

«Die Ferraris wurden mit unbeschreiblicher Brutalität hingerichtet», sagt der italienische Polizeihauptmann Pier Enrico Burri, «wobei unklar ist, ob das Ehepaar erst niedergeschossen und dann mit Schlägen getötet wurde oder umgekehrt.»

Sicher ist: Die Opfer wehren sich verzweifelt. Unter den Nägeln Gabriellas findet die Bündner Spurensicherung Hautfetzen, die DNA des Moldawiers. Die italienische Polizei wird eingeschaltet. Sie kommt den Männern auf die Spur, hört ihre Telefone ab. Die Falle schnappt zu… (Quelle, 28.09.2011)

Die italienische Polizei wurde eingeschaltet. 10 Monate nach der Tag wurden in Italien zwei Verdächtige von der Polizei verhaftet und in Untersuchungshaft gesetzt. Der erste Verdächtige, ein Finanzberater und Treuhänder aus Sondrio (IT) soll Kopf des Mordkomplotts sein: er beauftragte einen zweiten Mann, für „150 000 Euro und seinen Mercedes“ das Ehepaar in Graubünden zu ermorden. Später wurde dieser zweite Mann, ein in Italien lebender Moldawier, jenen DNA-Spuren zugeordnet, die unter den Fingernägeln der ermordeten Frau sichergestellt wurden.

Dritter Verdächtiger festgesetzt
Im Dezember 2011 berichtete suedostschweiz.ch, dass ein dritter Verdächtiger festgenommen wurde:

… Bei dem Festgenommenen handelt es sich laut «Grigioni Sera» um einen 48-jährigen früheren Transportunternehmer aus Campascio. Vor ihm waren bereits ein 40-jähriger Veltliner und ein 31-jähriger Russe wegen des Mordes festgenommen worden, bei dem am 21. November 2010 ein Ehepaar in Brusio mit Schüssen regelrecht hingerichtet worden war… (Quelle, 17.12.2011)

Verräterische Telefon-SIM-Karten
Laut Medienberichten waren die Behörden dem Puschlaver Unternehmer wegen Daten auf Mobiltelefon-SIM-Karten des verhafteten Italieners auf die Spur gekommen. Die SIM-Karten wurden anscheinend eigens für das Mordkomplott angeschafft und die Telefonnummer wurde am Tag des Mordes ausser Betrieb gesetzt. Trotzdem konnten nachträglich die Daten ausgewertet und Beziehungen unter den Tätern aufgeschlüsselt werden. Der dritte Festgenommene stand mit dem Opfer auch in geschäftlichem Kontakt.

Das Ehepaar soll Schulden gehabt haben
Der Veltliner soll der Auftraggeber gewesen sein, der Moldawier der Mörder: heute wird nun im Gerichtshof in Rom der Fall behandelt, wo die Tatschuld vom Gericht voraussichtlich bestätigt wird. Der Moldawier sei bereits letztes Jahr zu einer lebenslangen Haft verurteilt worden, der Geschäftsmann aus dem Veltlin mit 23 Jahren Gefängnis.

Laut RSO-Reporterin Annalisa De Vecchi werde der Fall in Italien verhandelt, da laut Staatsanwaltschaft Sondrio das Mordkomplott in Italien geplant wurde. Im Puschlav würde man heute, 7 Jahre nach dem Tötungsdelikt nicht mehr so oft darüber sprechen, aber es bleibe lange der „Schock“ in Erinnerung, weil man dachte, dass solche Fälle nur in anderen Orten passieren.

Zum Radio-Interview mit RSO-Reporterin Annalisa De Vecchi:
Gibt es einen Schlusstrich unter den «Mordfall Brusio»?

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Kategorie(n): News / Aktuell
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Publiziert am 5. April 2017



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