Coronavirus: Regierung erklärt für Graubünden eine „ausserordentliche Lage“

Die Medienkonfererenz des Schweizerischen Bundesrats am Freitag verzögerte sich, um 14:30 Uhr warteten über 28’000 Personen auf Youtube auf den Beginn des Live-Streams. Kurz darauf wurde die Konferenz um eine Stunde verschoben.
 

 

Landesweit mehrere neue Massnahmen und Verordnungen

Es gab auch Empfehlungen, oder Appelle; der Bundesrat hat heute aber auch einen deutlichen Schritt vorwärts gemacht und mehrere Verschärfungen der bereits bestehenden Massnahmen beschlossen. So sind ab kommenden Montag alle obligatorischen Schulen geschlossen und der Präsenzunterricht verboten. Ob Kinderkrippen und ähnliche Einrichtungen geschlossen würden, bleibe in der Verantwortung der Kantone.

Veranstaltungen mit mehr als 100 Personen sind schweizweit verboten, Gastbetriebe dürfen nicht mehr als 50 Personen gleichzeitig aufnehmen. Für die Wirtschaft wurde rund 10 Milliarden Franken zur Verfügung gestellt; landesweit haben sich bereits viele Unternehmen für Kurzarbeit vorangemeldet. Im Nachbarkanton St. Gallen beispielsweise haben sich rund 30 Unternehmen für Kurzarbeit vorangemeldet, berichtet Top Online.

Auf eine Schliessung der Landesgrenze verzichtet der Bundesrat zum jetzigen Zeitpunkt. Ab sofort können „lageabhängig“ die Schengen-Grenzkontrollen an sämtlichen Binnengrenzen wieder eingeführt werden. Italien hat innerhalb eines Tages 250 neue Todesfälle registriert. Dänemark und Tschechien schliessen ihre Grenzen.

Für gewisse Länder, auch für verschiedene afrikanische Länder gilt die Schweiz als Risikogebiet und es wurden Einreisesperren für Personen aus der Schweiz verhängt.

Kanton Graubünden geht noch einen Schritt weiter

Die Regierung des Kantons hat heute Freitag für Graubünden eine „ausserordentliche Lage“ erklärt. In Graubünden hat sich die Zahl an bestätigten Corona-Fällen innert zwei Tagen fast verdoppelt: waren es am 11. März noch 22 Fälle, sind es heute am 13. März bereits 43 Erkrankte. Nur noch Personen mit Symptomen aus Risikogruppen sowie Patientinnen und Patienten mit besonders schweren Symptomen werden auf die Krankheit getestet.

Laut Kanton muss die Ausbreitung der Krankheit in Graubünden zwingend eingedämmt werden, ansonsten droht in kurzer Zeit eine Überlastung des Gesundheitssystems. Deshalb hat der Kanton Graubünden über die heute durch den Bundesrat bekanntgegebenen Massnahmen hinaus weitere Verschärfungen für Graubünden bestimmt. Die Massnahmen sind noch drastischer als die des Bundes. Die einschneidenden Massnahmen treffen insbesondere den Tourismus- und den Freizeit-Sektor.

Spitäler in Südbünden betroffen
Um in den Spitälern und Gesundheitsinstitutionen Platz für Coronavirus-Patienten frei zu bekommen, wurde für das Centro Sanitario Valposchiavo, das Center da Sandà Engiadina Bassa, das Spital Oberengadin in Samedan sowie für die Klinik Gut in St. Moritz ab morgen Samstag ein Stopp aller nicht sofort notwendigen Eingriffe angeordnet. So kann das Personal im Gesundheitswesen sich verstärkt um die Coronavirus-Patienten kümmern.

Normaler Alltag wird in 3 Stufen heruntergefahren

In drei Stufen werden über das kommende Wochenende gemäss Mitteilung der Kantonsregierung die neuen Massnahmen gültig:

Ab Samstag, 14.3.2020, 08.00 Uhr, vorerst bis 30. April 2020, 24.00 Uhr gelten:

  • Das Amt für Militär und Zivilschutz wird angewiesen, Einsatzbereitschaft des Zivilschutzes zur Unterstützung des Gesundheitswesens herzustellen.
  • Alle Vereinsaktivitäten wie Sportanlässe, Veranstaltungen, Versammlungen, Trainings, Proben usw. sind untersagt.
  • Öffentliche und private Anlässe oder Versammlungen mit mehr als 50 Personen, welche nicht unter die vorgenannten Bestimmungen fallen, sind verboten. Die zuständige kantonale Behörde kann Veranstaltungen ausnahmsweise zulassen, wenn überwiegende öffentliche Interessen dies gebieten, beispielsweise Veranstaltungen zur Ausübung politischer Rechte.
  • Religiöse Anlässe mit mehr als 50 Personen sind untersagt.
  • Der Besuch in Spitälern, Alters- und Pflegeheimen und anderen Betreuungsinstitutionen ist untersagt. Über Ausnahmen (Besuche für Patienten in ausserordentlichen Situationen: Eltern von Kindern, Partner von Gebärenden sowie nahe Angehörige von sterbenden Menschen oder unterstützungsbedürftigen Patienten) entscheidet die Institution.
  • Bei allen anderen Veranstaltungen und in allen Einkaufsgeschäften sind die Verantwortlichen aufgefordert, für die Einhaltung der Regeln der Hygiene und der sozialen Distanz zu sorgen.

Ab Samstag, 14.3.2020, 17.00 Uhr, vorerst bis 30. April 2020, 24.00 Uhr gelten:

  • Sämtliche Unterhaltungsstätten wie Bibliotheken, Archive, Kinos, Theater, Museen, Jugend-, Sport-, Wellness-, Fitnesszentren, Schwimmbäder, Discos, Musikbars, Nacht-, Erotikclubs usw. haben den Betrieb einzustellen.
  • Hotel- und Restaurantbetrieben, mit Ausnahme der vorgängig genannten Unterhaltungsstätten und / oder Betriebsteilen, ist es gestattet, ihren Betrieb unter folgenden Bedingungen weiterzuführen:
    • Gewährleistung der erhöhten Hygienestandards und der nötigen sozialen Distanz;
    • keine Selbstbedienung;
    • Einhaltung eines Abstandes von mindestens 1 Meter zwischen den Tischen;
    • Gewährleistung einer Mindestfläche von 4 Quadratmetern der bewirtschafteten Fläche pro anwesendem Gast.

Ab Montag, 16.3.2020, 06.00 Uhr, vorerst bis 30. April 2020, 24.00 Uhr gelten:

  • Die Skigebiete haben den Betrieb [per sofort] einzustellen.*
  • Präsenzunterricht auf Sekundarstufe II (inklusive überbetriebliche Kurse, Brückenangebote und Lehrwerkstätten) und Tertiärstufe wird untersagt. Vorbehalten bleiben allfällige weitergehende Massnahmen des Bundes, insbesondere im Bereich des Grundschulunterrichts (Obligatorische Schule), der Kindergärten und der Kindertagesstätten.
  • Wo immer möglich und sinnvoll wird in der kantonalen Verwaltung Homeoffice angeordnet.

* Der Kanton Graubünden kommunizierte zuerst, die Skigebiete müssten erst am Montagmorgen 06:00 Uhr schliessen. In einer nachträglich publizierten Mitteilung informierte der Kanton, dass auf Anordnung des Bundes die Skigebiete per sofort zu schliessen sind.

Kindergärten in Chur geschlossen

(Updated 23:06) Soeben erklärte Patrik Degiacomi (Vorsteher Department Bildung Gesellschaft Kultur) auf Twitter, dass in Chur neben Primarschule und Oberstufe auch Kindergarten bis mindestens zum 04. April 2020 geschlossen sind. Für Fragen, bzw. HÄRTEFÄLLE steht ab morgen Samstag von 08:00 – 18:00 Uhr unter 081 254 44 08 eine HOTLINE zur Verfügung:

 
Foto: Symbolbild, Screenshot der Mitteilung Kanton Graubünden auf Twitter

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