Leserbrief – Tatwaffe: Schweizer Sackmesser

(Leserbrief einsenden) „Seriendelinquent verweigert jegliche Aussage“, so der Titel eines Beitrages (der sda) in den Zeitungen vom 7. Juni. In der Zusammenfassung zu Beginn des Artikels heisst es weiter: «Dem Mann wirft die Staatsanwaltschaft versuchten Mord und über 20 weitere Delikte vor».

So weit so gut, aber darauf möchte ich gar nicht eingehen. Wieso es aber dem Verfasser oder der Verfasserin des Berichtes offenbar wichtig war, klar zu stellen, dass der versuchte Mord nicht mit einem Sackmesser, sondern mit einem Schweizer Sackmesser erfolgte, schon, und das macht mich stutzig. Weiter steht im Artikel prominent gekennzeichnet, weil hervorgehoben, „Kein Mordversuch“, und dass der Verteidiger des 37-jährigen Libanesen die Taten bestreite.

Offenbar haben wir es also mit zwei „Bösen“ zu tun: Einem Schweizer Sackmesser und einem Delinquenten. Möglicherweise lese ich zu fest zwischen den Zeilen, aber für mich ist es ein Paradebeispiel fein dosierter Manipulation. Niemand hat im Artikel etwas Unwahres geschrieben und doch wird subtil der Eindruck hinterlassen, dass halt auch die Schweiz mit ihren Sackmessern nicht ganz frei von Schuld ist.

Und noch etwas: der Begriff „Delinquent“ wird im allgemeinen Sprachgebrauch für Ordnungswidrigkeiten wie etwa Schwarzfahren verwendet und laut Wikipedia eben immer mehr auch als „politisch korrekte Alternative“, um negativ besetzte Synonyme wie „Verbrecher“ oder „Krimineller“ zu vermeiden. Das wäre dann die zweite Manipulation, immerhin enthält die Anklageschrift neben Mordversuch, Körperverletzung, Nötigung, Geldfälschung, in Umlauf setzen von Falschgeld, gewerbsmässigen Diebstahl, Einbruch, Hausfriedensbruch und Brandstiftung.
Ich wünsche mir weniger «politisch korrekten» Journalismus, der nur das Ziel verfolgt, uns einzulullen.

Mario Cortesi, Chur

 

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Kategorie(n): Graubünda mitanand
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Publiziert am 7. Juni 2018



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