Patriotisch Liberale Demokraten Davos für Abschaffung von öffentlichen rätoromanischen Medien

Gestern präsentierte die Tamedia AG über ihr Boulevardblatt 20min.ch unter dem Aufhänger „Bündner für «No Billag»“ den Davoser Luca Heinrich, der für die „NoBillag“-Initiative in die Bresche springt. Luca Heinrich ist 1997 in Davos geboren und zeichnet sich für die „Patriotisch Liberale Demokraten“ verantwortlich. Er fordert die Abschaffung der Billag-Gebühren und meint „Rätoromanen sollen Wahlfreiheit haben“. Ob „die Rätoromanen“ nach einer allfälligen Annahme der Initiative noch eine „Wahl“, was mehr als 1 Sender bedeutet, oder überhaupt noch einen einzigen Medienkanal haben werden, ist gemäss breiter Meinung zu bezweifeln.

Das Rätoromanische liege ihm am Herzen, behauptet der Davoser im 20min-Beitrag, aber die Finanzierung des SRF („eines Senders“) sei nicht Aufgabe der Allgemeinheit. Das Ziel sei, für jeden Menschen der Schweiz eine höhere Wahlfreiheit zu erreichen, gleichzeitig ist er der Meinung, „für die Medienbedürfnisse Einzelner aufzukommen“ sei nicht Aufgabe der Allgemeinheit. Es würde sich nach einer Annahme der Initiative schon ein Angebot bilden.

Andreas Gabriel von der Lia Rumantscha widerspricht diesem gemäss 20min:

«Die Verbreitung des Rätoromanischen ist massgeblich von der RTR geprägt, das unter anderem über politische Themen berichtet und die Sprache auch in den Rest der Schweiz trägt.» (Quelle)

Dass ein mit dem SRF vergleichbares Angebot entstehen würde, sei eine Illusion, konstatiert Andreas Gabriel. Es ist auch keine Lösung, ein rätoromanisches Fernsehen/Radio durch den Kanton zu finanzieren, da dann die Unabhängigkeit in Gefahr ist.

Luca Heinrich meint dazu, auch in Graubünden gebe es Initiativen-Befürworter. Die Rätoromanen seien sich bewusst, dass „viel auf dem Spiel“ stehe.

Wer ist Luca Heinrich?

Florian Schwab, ein Editor der „Weltwoche“ twittert ohne Kommentar den 20min-Beitrag zu Luca, auf den ersten Blick meinte ich, Luca Heinrich ist ein junger Mensch ohne politische Ambitionen. Doch so schnell lass ich mich nicht von mir selber überlisten und beginne zu recherchieren.

Schnell finde ich Lucas Spuren im Internet.

Ich stelle die Nähe des Grenadiers zur AUNS fest, die vergangenes Jahr mit der damaligen neurechten AFD-Politikerin Frauke Petry als Gastrednerin aufwartete und die ich im Buch „Die unheimlichen Patrioten„, damals geschenkt bekommen von meinem Grossvater, R.I.P., als eine der negativen Hauptfiguren in Erinnerung habe, Lucas Selbstdarstellung mit der Aussage „Das einzig wahre Menschenrecht ist das Recht, in Ruhe gelassen zu werden“, schlussendlich auch noch die eigene Bewerbung durch das SRF. Die Bündner Kleinstpartei „Patriotisch Liberale Demokraten“, die sich gemäss seinem Beitrag beim SRF über weite Strecken an die SVP anlehnt, ist für einen schwächeren Sozialstaat, besonders bei der Sozialhilfe und dem Asylwesen.

Luca bezeichnet sich selbst auf der Parteihomepage als „ein freiheitsliebender Libertärer“ und fordert den „Rückzug der Behörden aus dem Privatleben der Bürger und aus dem Betrieb der hiesigen Unternehmen“. Luca begeistert sich auch für Fantasyliteratur und schreibt selbst über Polaria Fantasy-Bücher, z.B. „Treue“ in der Serie „Die Zeit der Hochkönige“.

Da ist ja nichts Verwerfliches, trotzdem verbreite ich mit meinem Twitter-Account nicht den werbenden 20min-Tweet des Weltwoches Editors, sondern Curdin Albins Reaktion auf diesen:

Beispiele (Auszug) der Kommentare zum betreffenden Artikel bei 20min.

Beispiele (Auszug) der Kommentare zum betreffenden Artikel bei 20min.

Ich finde das auch einen „Stuss“, zu behaupten, Rätoromanen würden bei Annahme von NoBillag Wahlfreiheit geniessen. Nein, ich finde das keinen „Stuss“, sondern Sarkasmus in reinster Form. Auch ich fühle mich in gewissem Sinne als „liberal“, ganz sicher „demokratisch“ und je älter ich werde hin und wieder [in grenzwertiger Weise] „bürgerlich“ (mir geht die Entwicklung zu schnell), nichtsdestotrotz kann ich diese Haltung, Rätoromanen würden von „NoBillag“ profitieren, nicht nachvollziehen.

Das ist aber meine persönliche, subjektive Meinung. Eigentlich widerspricht sich meine „Einstellung“ zu dem „Staatsmonster“ SRF. Dennoch spüre ich, dass es keine Alternative zu SRF in dieser Form gibt. Erst recht keine rätoromanische Alternative. Und falls es in einer erzwungenen Alternative endet, dass diese in keinster Weise den Umfang und die Qualität der aktuellen Berücksichtigung von Minderheiten oder Randregionen des SRF wird leisten können.

Gerne bin ich ein kritischer und zuweilen unangenehmer Kommentator. Was ich aber in SocialMedia an Argumenten gegen (und zugegebenermassen auch für das) SRF erfahre, ist grenzwertig. Demnach ist das Schweizer Fernsehen ein „bolschewistisches, linksextremes“ Staats-Medium, das Fakenews verbreitet und die Menschen manipuliert, so dass wir am Schluss, bald nur noch „Gutmenschen“ haben. In was für einer Blase leben solche Menschen. Es ist Weihnachten. Mein Tipp: geht alle über die freien Tage auch mal nach draussen. Schaltet das Internet ab. Lasst das Handy zuhause. Nehmt am realen Leben teil.

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