Ein Plädoyer gegen Schubladen

Persönlich fühle ich mich politsch zur „Mitte“ gehörend. Doch bin ich heute baaald mal 50 Jahre alt, und meine Denke musste erst wie ein Stein in Form gemeisselt werden. Die war nicht von Anfang an so, im Gegenteil; erst ein jahr(zehnt)elanges Durchwaten der ideologischen Tiefpunkte formte meine Weltsicht so, wie sie heute ist. Und an den erwähnten Tiefpunkten hätte ich es nicht für möglich gehalten, dass ich einmal „so“ denken werde.

Meine ideologische Reise war erst von dramatischen Stürmen und Wellen geprägt, etwa zehn Jahre lang war ich äusserlich betrachtet als Teenager und Heranwachsender erst ein Punk, der vor allem gegen seine Feindbilder „denkte“. Das waren damals in erster Linie „Bonzen, Bullen, Nazis“ oder auch „der Staat“ – pauschal. Im öhm zarten Alter von 20 Jahren änderte sich diese Lebens- und Denkweise.

So lernte ich, dass alles *wirklich* zwei Seiten hat. Dass meine festgefahrenen Wertungsmuster in der Praxis, im realen Leben nicht stimmten. In den folgenden hmm 10 Jahren entfernte ich mich immer mehr vom linken Rand in „die Mitte“. Oder ist das einfach das „Erwachsenwerden“? Nein. Ich glaube es ist (meine) Lebenserfahrung.

Ich merkte, dass ich als Jugendlicher in einer „Schublade“ gefangen war. In der Schublade, auf deren Etikett „Links“ stand. Es war einfach. Aber Ahnung hatte ich, aus heutiger Sicht, keine ;o) dieses tief in der Gesellschaft verankerte Schubladen-Denken lernte ich als eines der grössten Hindernisse auf dem Weg zum eigenen inneren Frieden kennen.

Schubladen, gesellschaftliche oder politische Etikettierungen gibt es unzählige. Links, Rechts, oben, unten, liberal, faschistisch, Öko, braun, rot, dick, dünn, dumm, arrogant, elitär, libertär, Nazi, Kommunist, Terrorist, bürgerlich, alternativ, Gutmensch, Hater, Bonze, Staatsschmarotzer, Simulant, Feminist, Sexist, Trinker, Patriot undsoweiter undsoweiter.

Diese Schubladen abzulegen, schaffte ich. Das befreit. Ich lernte, es gibt Schlechtes bei „den Guten“ und genauso gibt es Gutes bei „den Bösen“. Heute kann ich losgelöst „den Linken und den Rechten“ zuschauen, ohne mich zu einer Gruppe zugehörig zu fühlen. Man muss nicht Links sein, um gegen Rechts zu sein. Man muss aber auch nicht Rechts sein, um gegen Links zu sein.

Entscheidend ist es, worauf man seinen Fokus legt. Es ist keine grosse Kunst, sein Leben Scheisse zu finden, denn wer so denkt findet viele „Beweise“ die dies bestätigen. Genauso umgekehrt. Ich konzentriere mich auf das „Positive“ und ich erlebe jeden Tag schöne Sachen, Momente, Empfindungen, von innen und von aussen, die mich glücklich, zufrieden und froh machen.

 
Ich wünsche mir eine Zukunft, in der die Menschen aus den Schubladen rausklettern, die Schubladen alle zumachen, jeder für sich selber, aber auch die Gesellschaft für die Menschen, der Staat für den Bürger, und dass die alte, schäbige, längst abgewetzte Holzkommode samt Schubladen in der nächsten Kehrichtverbrennungsanlage abgeladen und verbrennt wird.

Es wäre eine neue Kultur. Nicht nur eine neue Gesprächskultur. In meinem Traum gibt es Gruppen, nicht Parteien, sondern Menschen, die sich FÜR etwas einsetzen und nicht gegen etwas. Miteinander, Füreinander.

Aber eben, ich bin Webprogrammierer, das sind doch eh alles krumme Gestalten. ODER? ;o)

 
Foto in Header:
Symbolbild, via Pexels auf Pixabay

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Kategorie(n): Allgemein
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Publiziert am 18. Januar 2018



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