Bündner Schulgesetz: Inklusion statt Separierung der Schwachen

Mit dem neuen Bündner Schulgesetz (Gesetz für die Volksschulen des Kantons Graubünden), das seit dem Jahre 2012 in Kraft ist, wurden im Kanton Graubünden die „Kleinklassen“ abgeschafft. Das alte Schulgesetz hielt z.B. fest: „Separativ geführte Kleinklassen dienen insbesondere der Schulung von Kindern mit erheblichen Entwicklungsverzögerungen, Verhaltens-, Lernstörungen und Lernbehinderungen.“ (Abs. II, Art. 6). Nun sollen gemäss einem Auftrag von Gian Michael (BDP) Kleinklassen in Graubünden wieder eingeführt werden können: das Kantonsparlament hat den Auftrag Gian Michaels mit 66:45 Stimmen gutgeheissen.

Seit 2012 die Kleinklassen abgeschafft wurden, werden Kinder „mit erheblichen Entwicklungsverzögerungen, Verhaltens-, Lernstörungen und Lernbehinderungen“ in „normalen“ Klassen bzw. Schulen integriert. Nach einer zumindest für mich kurzen Zeit von 5 Jahren möchte der Grosse Rat es nun wieder den Gemeinden überlassen, ob sie Kleinklassen wieder einführen wollen.

Gemäss SRF1, Regionaljournal Graubünden 19.04.2017 meinte Gian Michael (Grossrat BDP Graubünden), es würde Schüler/innen und Lehrer/innen entlasten, wenn Kleinklassen wieder eingeführt würden (können). Mehrere Vertreter der SP sind dagegen, es bringe mehr, wenn Schüler/innen mit Lernschwäche in die „normalen“ Klassen integriert werden, denn diese Integration funktioniere. Kinder mit einer Lernschwäche oder Behinderung werden nach dem heutigen Modell in die Gesellschaft integriert.

Gemäss Bundesgesetz gar nicht erlaubt

Zudem sei es gemäss Bundesgesetz nicht erlaubt, wieder in Graubünden Kleinklassen einzuführen, denn gemäss diesem müsse es Kindern mit Behinderungen ermöglicht werden, „normale“ Klassen zu besuchen.

Grossrätin und Domat/Emser Gemeindepräsidentin Beatrice Baselgia-Brunner (SP Graubünden) sagte etwa „…sie schaffen nur Verwirrung in den Bündner Gemeinden, welche glauben, dass sie selber entscheiden, wohin Kinder eingeschult werden können. Sie provozieren Gerichtsverfahren, welche den Gemeinden ausser Kosten nichts bringen“.

Die Gegenseite argumentiert, dass *alle* Kinder besser ihre Ziele erreichen werden, wenn Lernschwache separiert unterrichtet werden, dies sei wichtiger als Integration.

Elisabeth Mani-Heldstab, Mitglied der Kommission Bildung und Kultur und Bündner Grossrätin seit 2003 (BDP Graubünden) meinte: „…Chancengleichheit ist eben nicht Gleichmacherei, und Integration ist kein Zauberwort, das für alle das Gleiche beinhaltet. Integration heisst nicht Alles für Alle, sondern wer braucht in welcher Form wieviel…“

Ich finde, Politgeplänkel darf nicht auf dem Rücken der Kinder ausgetragen werden. Es gilt, einen Weg miteinander zu finden. Separierung der Schwachen schafft etwas Separates, das hhmmm irgendwie wie nicht richtig dazugehört. Zur Gesellschaft. Dabei ist es ein Teil der Gesellschaft. Ein Ausdruck dessen, dass der Geist der Menschen beweglich bleibt und bleiben muss. Dass eine Kette nur so stark ist wie sein schwächstes Glied. Und dass die Schwachen von den Stärkeren motiviert werden (können). Und die scheinbar Stärkeren von den Schwächeren lernen, dass Stärke relativ ist.

Links zum Beitrag:
SRF1, Regionaljournal Graubünden: Grosser Rat Bald wieder Kleinklassen an Bündner Schulen?

Foto in Header:
Chur, 23. April 2017, Symbolbild, Marco @graubuendner

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Guata Morga! Das Weekend ist vorbei, ich hoffe Ihr habt Euch ebenso erholt wie ich ;o)…