Bündnergschnorr – eine Dialekt-Datenbank zur Sprache „Bündnerdeutsch“ (Bündner-Dialekt)

Es ist schwierig. Sehr schwierig… wie bereits vor 3 Tagen auf Twitter angedroht, habe ich eine Datenbank erstellt, in der man deutschsprachige Wörter ins „Bündnerdeutsch“ übersetzt abrufen kann. Wer Informationen zur Datenbank haben möchte, findet diese vor allem auf der Startseite der Sprach-Datenbank „Bündnergschnorr – eine Datenbank zum Bündner Dialekt / Bündnerdeutsch“. Im folgenden Beitrag möchte ich aber für jene die es interessiert, weitere Infos geben, denn, es ist schon eine „Quadratur des Kreises“, der Versuch, die geschriebene Mundartsprache der Einwohner/innen Graubündens zu „definieren“ ;o)

Wie alles begann…

So wie meistens: spontan ;o)

… ich selber habe ein ausgeprägtes Churer Dialekt. Denn ich habe seit meiner Geburt bis etwa 42-jährig in meiner Heimatstadt Chur gelebt. Danach, vor ein paar Jahren, bin ich zwar ein Stück in den Norden in den Thurgau gezogen, aber im Herzen, in meinen täglichen Gedanken, bei meinen Aktivitäten hier oder etwa auf Twitter, und insbesondere betreffend meiner Sprache bin ich ein waschechter Churer geblieben.

Auch bin ich immer wieder in meiner Heimat, leider aber zuwenig bzw. in unregelmässigen Abständen… Die Idee, eine solche Sprachdatenbank zu erstellen geisterte schon länger in meinen Hirnwindungen herum, aber erst vor 3 Tagen klärte sich der Gedanke auf und aus der Idee wurde spontan die Phase der Umsetzung ausgerufen ;o) auch wenn mich Sprachen sonst persönlich nicht wirklich interessieren… (ich schreibe, verstehe und befasse mich täglich mit den „Sprachen“ XHTML, CSS, PHP, SQL, Javascript, DOM, RegularExpressions, Ajax oder ColdFusion.., okay, auch ein wenig englisch kann ich, aber sonst hab ich mit Sprachen nichts am Hut…)

Das „Problem“ – keinen Standard

Das Dialekt ist nirgends definiert. Es gibt zwar Listen, oder Foren-Einträge, aber nirgends finde ich eine Datenbank, eine mit Suchfunktion, und Strukturierung, die sich mit der Bündner Dialektsprache befassen. Zumindest nicht so, wie es sich jemand wünscht, der kein Schweizerdeutsch versteht (z.B. ein Teil der Touristen). Es gäbe da z.B. das Idiotikon – aber auch dieses ist nicht das was ich will. Kein Wunder, denn bereits bei der Konzeption der Datenbankstruktur braucht es Kenntnisse… so gibt es ganz viele Variationen der geschriebenen UND der gesprochenen Form von Sätzen, Phrasen und Wörtern des Bündnerdeutsch-Dialekts, kaum mit Logik zu erfassen, und wenn ich auch noch die regionalen Gegebenheiten und zu guter Letzt auch noch die Mitwirkung von registrierten Mitgliedern in die Datenbank miteinbeziehen möchte wird es „schtruub“ (–>> ziemlich verwirrend^^). Aber ich habe dies einfach mal gemacht, und in diesem Sinne die „Alpha-Phase“ abgeschlossen und das Ding als BETA freigeschaltet ;o) jetzt geht es erst wirklich los…

Die von mir erstellte Datenbank „Bündnergschnorr“ soll zwar Spass machen, gleichzeitig ist es aber auch ein ernsthafter Versuch, das Bündnerdeutsch anzupacken, und zwar gewissenhaft. Ein Anfang ist gemacht.

…Der Begriff «Bündnerdeutsch» kann … als geographischer Begriff eingesetzt werden. Aus linguistischer Sicht ist der Begriff problematisch… (Quelle)

Bündnerdeutsch und die Sprachensituation in Graubünden

Wissenswertes über Bündner Dialekt und seine Varianten

Ich bin kein Sprachwissenschaftler, trotzdem versuche ich kurz, die Sprachsituation in Graubünden zu beschreiben: es ist verwirrend

Nein, Spass beiseite. Im Kanton Graubünden werden drei Sprachen gesprochen, die „Amtssprachen“: Deutsch, Italienisch und Rätoromanisch. Auf die italienische (deutsch-italienisches Wörterbuch) oder die rätoromanische Sprache (deutsch-rätoromanisches Wörterbuch) möchte ich hier gar nicht eingehen: so gibt es z.B. das italienische Dialekt „Bregagliotto„, und auch betreffend rätoromanisch gibt es viele Varianten und „Idiome“, inklusive einer „standardisierten“ Default-Variante, dem „Rumantsch Grischun“. Hier in der Datenbank geht es bloss um die „deutsche“ Sprache der Bündner/innen: das Bündnerdeutsch bzw. das „Bündnerdialekt„, das vom grössten Teil der Bündner/innen gesprochen wird (ca. 64 Prozent der Bevölkerung – 13 Prozent sprechen Rätoromanisch und 11 Prozent Italienisch).

Wenn Menschen ausserhalb Graubündens vom „schönen Bündner Dialekt“ sprechen, ist nicht klar, welches sie damit gerade meinen; meinen sie das eines Prättigauers, eines Thusners oder eines Churers? Vielleicht war es ein Walserdialekt eines Schanfiggers, oder vielleicht auch eine undefinierbare Mischung aus verschiedenen Einflüssen? Der grosse Teil des Bündnerdeutsch stammt von der alemannischen, oder auch von der höchstalemannisch und „bodenseealemannische“ Sprache ab. Ein weiteres Dialekt wird im Raum Thusis gesprochen, das „Thusnerdeutsch„, im Samnaun wiederum wird eine „tirolische“ Sprache gesprochen.

Weitere Links zum Thema:

Zur Datenbank „Bündnergschnorr“ – der Teufel steckt im Detail

Wir sprechen einfach. Wir denken nicht (wirklich bewusst) darüber nach, wenn wir einen Satz beginnen, wir sprechen einfach. Die deutsche Sprache hat mehrere Millionen Wörter. Ich habe mal die ersten zwei-, dreihundert Einträge gemacht; bereits jetzt wird mir klar, wie schwierig es ist, zu definieren, wie „ich“ spreche. Beispiele? Okay… Nehmen wir mal das deutsche Wort „Senf“. Wenn ich irgendwo in Dialektform schreibe, dann schreibe ich „Senf“, obwohl, wenn ich darüber nachdenke, und es ausprobiere (also ausspreche), wird mir klar, dass ich eeeigentlich „Semf“ sage, ja man könnte sogar „Sempf“ schreiben :oD das Wort „Küche“: ich selber spreche klar ein „Kuhi“, aber der grosse Teil der Bündner schreibt vermutlich „Kuchi“ (auch wenn „Kuhi“ gesprochen wird…) es kommt auch vor, dass ich dasselbe Wort manchmal nicht gleich ausspreche; die Zahl „Zwanzig“ – in der Regel sage ich „Zwanzg“, manchmal erwische ich mich, dass ich sage „Zwanzig“… ich könnte jetzt noch lange darüber schreiben ;o)

Ein weiteres „Problem“-Beispiel? Die Veränderung. „Junge“ Leute schreiben nochmal anders; es wird z.B. oft das „c“ in „ch“’s weggelassen (quasi-english), dann kommen noch Abkürzungen wie „ka“ (=keine Ahnung) hinzu, das Ganze noch mit Emoticons gespickt, das Wort „jetzt“ wird als „jz“ geschrieben, „eif“ heisst „einfach“ undsoweiter… ;o)

So. Nun, ich hab einfach mal gemacht… und mache weiter. Denn die aktuelle Datenbank(-Funktionsausstattung) ist noch nicht das, was ich will. Aber ich könnte da ja noch lange rumbasteln und verbessern; aber ich hab das mal zu einem gewissen Grad komplettiert, damit ich das veröffentlichen kann und auch andere dies nutzen können, was ja eigentlich Sinn der Sache ist.

also: nit motza, sondern mitmacha!

Nochmal: ich hab da mal angefangen mit „meinem Churerdialekt“; es geht jetzt nicht darum, meine Schreibweise zu bemängeln, sondern darum, dem Nutzer dieser Datenbank (z.B. kluge Touristen, die via Google auf graubuendner.ch stossen) möglichst eine (gute) Antwort auf seine Fragen bietet, wie man nun in Graubünden etwas ausspricht, bzw. schreibt.

Du Bündner/in kannst mithelfen!
Bei allen Einträgen findest Du einen Link „Eigene Dialekt-Variante eintragen!“. Es sollte bereits auch alles korrekt funktionieren. Beim Eintragen der Dialekt-Einträge habe ich manchmal im Feld „Kommentar“ weitere Angaben gemacht, z.B. wie ICH es spreche/schreibe, oder manchmal ist es wirklich schwierig und zuweilen unterhaltsam, sein eigenes Dialekt KLAR zu umschreiben, guck z.B. mein Kommentar zu „Po“ ;o)

Also, hier geht es zur Startseite der Sprach-Datenbank „Bündnergschnorr – eine Datenbank zum Bündner Dialekt / Bündnerdeutsch“ – viel Spass!

Print Friendly


Kategorie(n): Bündner Wissen, Allgemein
Schlagwörter: , , , ,
Publiziert am 23. September 2016



Kommentar schreiben




Kommentar





Kommmentare

Es sind noch keine Kommentare eingetragen.




E-Mail WhatsApp

[ 15 Besucher online ]

Dir gefällt graubuendner.ch?
Dann unterstütze mich
via Paypal oder direkt.
Tangga! 🍀